Löw/Bierhoff gegen DFB
By Wolfgang Boenisch on Feb 9, 2010 | In News, Verhandeln
Natürlich geht so ein Thema nicht an mir vorbei.
Was lief in den Verhandlungen zwischen dem Bundestrainer und dem Manager auf der einen Seite und dem Präsidium des DFB auf der anderen Seite wohl falsch?
Vergangenen Freitag wurde ich dazu vom Hessischen Rundfunk interviewt. Das Interview lief auf HR Info. Leider kann ich den Mitschnitt nicht auf die Website stellen. Deshalb hier einige der grundsätzlichen Fragen, die wir diskutiert haben:
Darf man in Verhandlungen Druck aufbauen?
Ja, das darf man. Wenn man die eigenen Forderungen durchsetzen will, ist das sogar notwendig. Es ist jedoch unbedingt ratsam, sich an die Regel "Hart in der Sache, weich in der Sprache" zu halten und nicht persönlich verletzend zu werden.
Kann man sich auf so einen Handschlag-Vertrag berufen?
Ja, das kann man. Generell ist ein mündlicher Vertrag uneingeschränkt gültig. Das Problem ist vor allem die Beweisbarkeit und Durchsetzbarkeit, deshalb sollte man das Ergebnis schriftlich fixieren.
Was kann man tun, um Missverständnisse auszuschließen?
Den gesamten Einigungsprozess mit allen Zwischenschritten und Teileinigungen protokollieren. Das Protokoll auf ein gemeinsames Verständnis überprüfen und nach Möglichkeit von beiden Verhandlungsführern unterschreiben lassen.
Was ist da wohl schief gelaufen?
Nach dem was man aus der Presse weiß - und auch die Meldungen, die seither dazu gekommen sind, vermitteln für mich keinen anderen Eindruck - sind hier absolute Positionen aufgebaut worden und aufeinander geprallt. Dabei gingen beide Seiten von unterschiedlichen Voraussetzungen aus. Ob bewusst oder nicht, sei dahingestellt.
Nach meiner Einschätzung wurde nicht nur dieser angebliche Handschlag-Vertrag unterschiedlich interpretiert, sondern auch die Machtverhältnisse wurden falsch eingeschätzt. Auch die Kraft des Zeitdruck-Argumentes wurde auf Seiten von Bierhoff und Löw wohl überschätzt.
Wie geht nach einem solchen Abbruch wieder aufeinander zu?
Beide Seiten müssen sich über ihre Interessen klar werden. Dann müssen die atmosphärischen Störungen besprochen und beseitigt werden, um wieder auf der Sachebene verhandeln zu können.
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